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Barbiere von Sevilla Kritiken Kiel 2011
Kieler Oper im Rossini-Rausch
Unwiderstehlich wie eh und je beglückt der “Barbier von Sevilla” auch jetzt in Kiel wieder sein Publikum. Diese Vorgeschichte zu “Figaros Hochzeit” hat Daniel Karasek ungeschmälert nacherzählt, aber auch mit eigenen Akzenten aufgefrischt. Dabei mobilisiert er alle schauspielerischen Reserven eines sängerisch ohnehin erstklassigen Ensembles.
Als musikalische Wegbereiter haben die Kieler Philharmoniker unter Mariano Rivas mit subtilen Echo-Effekten die solistisch aufgefächerte Ouvertüre vorgeschaltet. Und auch weiterhin die sprühende Melodik und spritzige Rhytmik der Partitur temperamentvoll durchgezogen.
Wichtiges Merkmal der Inszenierung ist die Aufwertung des Doktor Bartolo. Jörg Sabrowski macht ihn in rotem Oberhemd und schwarz-weiß modischem Straßenanzug zu einem recht beweglichen älteren Herrn, dem man noch ohne weiteres einen Appetit auf junges Blut zutraut. Rossinis zu irrwitzigem Tempo hochgepeitschte Zungenbrecher lässt Sabrowski, mehrfach synchron mit seinen Kollegen, wie eine Sprechmaschine schnurren.
Bei Amira Elmadfas immer reizvoll anzuschauender Rosina weiß man nicht, was man mehr bewundern soll, ihre glasklaren, lupenreinen Koloraturen oder ihr breites Spektrum weiblicher Facetten zwischen Mädchenhaftigkeit und überlegtem Charme.
Am Ende hält sich der überlistete Bartolo nicht an Rosinas Vermögen, sondern an seiner jungen Wirtschafterin schadlos, kein Wunder bei der entzückenden Sen Acar mit ihrem wunderbaren Timbre.
Den Männerchor hat Barbara Kler zuverlässig einstudiert. Sein Aufmarsch als Wachmannschaft gab dem Finale einen faszinierenden Rahmen. Das Premierenpublikum war hellauf begeistert!
Wolfgang Butzlaff
Schleswig-Holsteinische Landeszeitung
Montag, 12. Dezember 2011
Rossinis “Barbier von Sevilla” in der Regie von Daniel Karasek am Kieler Opernhaus
Musikalisch platzt der Abend aus allen Nähten.
Tomohiro Takada singt die Hauptrolle nicht nur kraftvoll, flüssig und einnehmend natürlich, sondern verkörpert sie im mintgrünen Anzug und mit wasserstoffblonder Just-woke-up-Frisur auch überzeugend quirlig.
Nach einem recht amüsanten Auftakt mit den angenehm konzentrierten Herren des Opernchores Kiel (Einstudierung: Barbara Kler), Sang Youf Kim in der Rolle des sonor singenden Offiziers sowie einem balsamisch tönenden Fiorello (Ronaldo Steiner) tritt Rosina auf den Balkon. Amira Elmadfa spielt sie wechselweise als schmachtenden Backfisch oder schmollende Zicke. Sängerisch legt die Mezzosopranistin ihre Figur komplexer an, überzeugt durch virtuos durchgestaltete Koloraturen, Klangfarbenreichtum und flüssige Linienführung. Ihr eher schlanker Mezzo harmoniert überdies gut mit dem Tenor ihres Verehrers.
Rivas tritt das Gaspedal weit durch, er nimmt jede Kurve der Oper mit vollem Risiko und führt das Philharmonische Orchester Kiel dabei so inspiriert, dass immer alles gut geht. Überdies bleiben Rivas und die Philharmoniker stets dicht an den Sängern.
Jörg Sabrowski gelingt es dabei am überzeugendsten, in seine Rolle des grantigen Dokotors Bartolo zu finden, den er klar konturiert und durchgestaltet singt. Kyung-Sik Woo entwickelt den Musiklehrer Basilio dagegen aus der Stille heraus und trifft dabei sehr schön den Ton des Intriganten.
Oliver Stenzel
Kieler Nachrichten
Montag, 12. Dezember 2011
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Intendanzbüro Kiel vor Barbiere Premiere